Vortrag über Klosterheilkunde von Pfarrer Kilian Saum


Er sei schon als Kind von Mutter und Großmutter in die Kräuterheilkunde eingeführt worden, berichtete Pfarrer Saum, der lange im Kloster Sankt Ottilien im Schwarzwald als so genannter Infirmarius die Krankenstation leitete. In der Klosterheilkunde gehe es um die Frage: „wie halte ich meinen Körper gesund?“ Der kranke Mensch sei aus dem Gleichgewicht geraten, nun werde versucht, mit Naturheilweisen dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. In den Benediktiner-Klöstern sei Jahrhunderte lang die traditionelle, europäische Medizin für die Gesundheit der Mönche und der Bevölkerung praktiziert worden. Dieses Wissen wurde mit Medizinalhandschriften im Netzwerk der Klöster weitergegeben, bis der Papst dieses Privileg auch an Laien verlieh, sagte Pfarrer Saum. Darum seien Hochschulen gegründet worden um das medizinische Wissen weiter zu geben.

Die Klosterheilkunde ist eine Erfahrungsheilkunde, sagte Saum. Der Patient werde in seiner Ganzheit beobachtet und die Behandlung darauf ausgerichtet. Saum sprach von der Elementenlehre, die über Griechenland und China auch die europäischen Klöster erreichte, über die vier Körpersäfte, die gelbe und schwarze Galle, Blut und Schleim, sowie die vier Temperamente des Menschen: den Choleriker, Sanguiniker, Melancholiker und Phlegmatiker. Die Behandlung werde mit Kräutern, Salben, Tees und Cremes auf diese Elemente abgestimmt. Dazu gehöre auch die heilende Kraft des kalten und warmen Wassers. Anschaulich erläuterte der Kräuterpfarrer die Wirkungsweise von einzelnen Heilpflanzen: die Rose, deren ätherische Öle  lindernd und heilend auf die Augen wirkt; dem echten Weihrauch mit seiner reinigenden Kraft, und der spirituellen Wirkung durch die Öffnung des Gehirns für die Transzendenz des Geistes. Ein Auszug aus Baldrianwurzel helfe die Eindrücke des Tages zu verarbeiten und den Kopf frei zu machen und lasse, über den Tag verteilt genossen, auch einen Zappelphilipp ruhiger werden, erklärte Pfarrer Saum.

Kamille mit ihren Eigenschaften trocken und kalt sollte nicht bei einem trockenen Husten eingesetzt werden. Saum warnte aber vor Missbrauch: "Kräuter sind Drogen und können neben Heil und Heilung auch Unheil bewirken. Auf die Dosis kommt es an". Immer wieder kam Saum auf die Medizin der Hildegard von Bingen zu sprechen, die vor allem in der Frauenheilkunde viel bewirkt habe. So habe sie vielfach Frauen behandelt, die unter Ängsten, Depression und Melancholie litten. "Die Dominanz der Männer war sehr groß", meinte Saum. Mit heiteren Anekdoten aus seinem erfahrungsreichen Leben und praktischen Tipps zur Anwendung der Kräuter und Salben würzte Pfarrer Saum seinen Vortrag.

Er machte klar: Wenn ich meine Konstitution, mein "Temperament"  nicht leben kann und darf, werde ich krank. Er bot an, einen Workshop zum Thema "Entdeckungsreise zu meiner Konstitution - wer bin ich" abzuhalten. Dieser Vorschlag wurde mit großer Zustimmung der Zuhörerinnen begrüßt. Bürgermeister Heinrich Krempl stellte spontan die Schulküche zur Verfügung

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